Sand sammeln - eine feine Sache

Was ist Sand?

 

Der erste Blick unter ein optisches Hilfsmittel bestätigt die Vermutung, dass es kleine Steine sind. Allerdings an einer Fundstelle dann auch mit fast gleicher Größe. Alles hat seine Norm und deshalb wurde auch den Sand (mit DIN) in drei Größengruppen eingeordnet. Von Feinsand spricht man bei Korngrößen von 0,063 mm – 0,2mm Durchmesser. Mit einer durchschnittlichen Größe von 0,2mm – 0,63mm hat man es mit Mittelsand zu tun. Und ab 0,63mm – 2,0mm heißen diese Gesteinspartikel Grobsand. Diese Einteilung mag ihre Bedeutung z.B. in der Bauwirtschaft oder anderen technischen Bereichen haben, jedoch den Sandsammler interessiert das weniger, weil er für das Schauglas der Sammlung kaum die Fundortstruktur z.B. durch Sieben verändern wird. Nur was noch größeren Durchmesser hat wird dann als Kies bezeichnet, dem ab einer Größe von 63mm die Bezeichnung Stein folgt.

Die Frage woher der Sand kommt ist nicht immer erschöpfend zu beantworten. Deshalb eine vereinfachte Erklärung. Sand kommt als solcher nicht irgendwo her, sondern ist entstanden. Ohne auf die großen Zeiträume für diese Prozesse eingehen zu wollen, kann man feststellen, dass der Sand das Produkt einer physikalischen und chemischen Zerstörung des Gesteins ist. Hierzu kommt der lange und zeitlich ewige Weg vom Fels zum Meer. Die Erscheinungsform Sand könnte man durchaus, wenn auch unwissenschaftlich, als Aggregatzustand der Mineralien bezeichnen. Dieser ewige Vorgang ist z.B. dafür verantwortlich, dass die Sandkörnchen keine scharfen Kanten mehr haben und wie rund geschliffen aussehen. Diese Erscheinung ist Folge des endlosen Walkens und Schmirgelns der Körnchen aneinander. Diese Bewegung verschuldet aber auch, dass etliche ursprünglich im verwitterten Fels enthaltenen Mineralien einfach verschmirgelt wurden und am Ziel im Strandsand nicht mehr vorhanden sind. Übrig bleibt letztlich nur was härter ist. Ähnliches passiert bei Dünen. Für den Sandsammler, der eigentlich ein Mineraliensammler ist, sind aus den vorgenannten Gründen vielleicht die Körnungen zwischen 0,1mm und 1,0mm der interessantere Bereich. Wegen der vorgenannten Besonderheiten muss darauf hingewiesen werden, dass der Sand kleiner Gebirgsbäche durchaus inhaltsreicher sein kann, als der schneeweiße Strandsand. Die feineren Anteile können zusätzlich interessant sein, weil sie evtl. Mikroorganismen beinhalten. Also nichts ohne nähere Betrachtung verwerfen.

 

Hilfsmittel für die genauere Betrachtung

 

Die Größenangaben zum Sandkörnchen machen deutlich, dass ohne optische Hilfsmittel keine bewertende Betrachtung der Schätze möglich ist. Von einer Bestimmung der einzelnen Steinchen, die in der Gesamtheit den Sand ergeben, wird man kaum nur mit der Lupe etwas erreichen können. Daraus folgert, dass das Mikroskop ein unverzichtbares Instrument für den Sandsammler ist. Sand ist allgemein undurchsichtig (höchstens durchscheinend) und deshalb wird eine bewertende Betrachtung im Auflichtverfahren erfolgen. Für die Betrachtung sind Objektive in den Vergrößerungen von 2,5x bis max. 10x (20x seltener) geeignet bzw. erforderlich. Die geringeren Vergrößerungen bieten neben einer übersichtlicheren Betrachtung den Vorteil einer etwas besseren Schärfentiefe. Für die Betrachtung sollte der Sand einschichtig auf dem Objektträger liegen. Eine Häufchenbildung ist wegen der uneinheitlichen Schärfeebene ungünstig. Ein Mikroskop aus dem Einsteigersektor ist für den Sandsammler anfänglich geeignet, wenn es ein stabiles, nicht zu leichtes Stativ hat. Die Objektive sollten an einem Revolver sitzen, der über Gewindegrößen zur Aufnahme sog. Normobjektive verfügt. Damit wird nur betont, dass sog. Schülermikroskope aus dem Spielzeugladen nicht geeignet sind dauerhafte Begeisterung zu erwecken. Dagegen wurden in den letzten Jahren mehrfach von Discountern Mikroskope der Einsteigerklasse angeboten, die durchaus die genannten minimalen Forderungen erfüllen. Ideal wäre die Ausstattung mit einem Kreuztisch oder wenigstens eine verstellbare Objektträgerplatte. Letztlich wäre ein auswechselbares Okular günstig. Wenn der Okulartubus einen Durchmesser von 23,0mm/30mm oder 30,5mm hat, dann würde später auch der Einsatz eines digitalen Okulars möglich sein. Dieses Gerät liefert die entstandenen Bilder direkt auf den Bildschirm und stellt damit den kürzesten Weg zur digitalen Bilddatenbank der eigenen Sammlung dar. Die Beispielbilder zu diesem Beitrag wurden mit einem digitalen Okular mit einem Auflösungsvermögen von 1,3 (umschaltbar auf 3,0) Megapixeln angefertigt. Die erzielbare Dateigröße ist ausreichend, um auch für Verwendungen (Papierbilder, Printmedien), die eine Auflösung von 300 dpi erfordern, ein Endergebnis in der Größe von 8cm x 10cm (bzw. 10cm x 15cm) zu erreichen. Auf die Möglichkeiten und notwendigen Schritte mit der Bildbearbeitung das entstandene Abbild zu verbessern (nicht zu verfälschen), kann in diesem Rahmen nicht ausführlicher eingegangen werden. Also man sollte sich mit dem entsprechenden Programm bereits etwas angefreundet haben. Geeignet sind alle Programme, die nachträgliches Bearbeiten der Helligkeit und des Kontrastes ermöglichen. Das Schärfen des Bildes sollte dann immer den Abschluss der Bearbeitungen darstellen, um alle vorangegangenen Schritte mit zu erfassen.

Hinzufügen muss ich, dass es sich bei den Sandbildern um jeweils 3-10 Einzelaufnahmen handelt. Diese Einzelaufnahmen werden mit dem Feintrieb am Mikroskop festgelegt. Die Einzelfotos werden anschließend mit dem kostenlosen Programm COMBINE ZM zu einem (Pseudo) 3-D Bild zusammengerechnet. Sonst wäre kaum ein scharfes Bild wegen der geringen Schärfentiefe am Mikroskop möglich.

 

Was kann man sammeln?

 

Innerhalb des vorgegebenen Themas dieses Beitrages ist das einfach zu beantworten: Alles. Das schließt somit auch ein paar Sande organischen (Entstehungs-)Ursprungs mit ein. Z.B. den Korallensand oder Sand der aus Muschelschalen oder Mikrofossilien entstand (Diatomeensand aus DK). Bei näherer Betrachtung des mineralischen Sandes wird sofort auffallen, dass ein großer Anteil des Sandes glasartig ist. Es handelt sich um die härteren mineralischen Bestandteile und diese stellen chemisch SiO2dar. Hier gibt es in der Folge der verschiedensten Beimischungen (vorwiegend Metalle bzw. deren Verbindungen) die unterschiedlichsten Färbungen, die bereits eine erste Einordnung ermöglichen. Daneben sind natürlich auch weitere Mineralkörnchen anderer Zusammensetzung zu erkennen. Häufig befindet sich z.B. im Strandsand Magnetit. Auf jeden Fall stellt man bereits beim ersten Blick durch das Mikroskop fest, dass die „Erde“ keine einheitlichen drei oder fünf Farben hat, sondern erstaunlich vielfarbig ist. Jede Mischung hat zwar ihren Wiedererkennnungswert, aber das reicht für eine exakte Bestimmung keineswegs. Das erforderliche Wissen hierzu kann auch keineswegs mit einem kurzen Beitrag vermittelt werden. Es wird sicher einige Zeit dauern und entsprechendes Literaturstudium erfordern bis aus dem Besitzer einer Sandsammlung ein Sandsammler geworden ist, der nach mineralogischen Gesichtspunkten sammelt. Dieses steht für den Sandsammler jedoch nicht im Vordergrund, da vorrangig nach geografischen Gesichtspunkten gesammelt wird. Vorerst wird man sich an den Sandproben erfreuen, sie betrachten, möglichst fotografieren und katalogisieren. Letzteres ist von besonderer Bedeutung. Deshalb ist es dringend erforderlich den Fundort so genau wie möglich und unverwechselbar am Aufbewahrungsgefäß für die Probe zu kennzeichnen.

Um nun die einführende Frage zu beantworten. Sicher sollte man sich einen thematischen Rahmen stellen. Sonst geht es einem wie dem jungen Briefmarkensammler: Alle Welt und möglichst bunt. Das befriedigt nicht auf Dauer. Folglich könnten es eine Spezialisierung auf die Strände Europas, die Wüsten Asiens, Sande aus Flussmündungen oder nur rote Sande oder, oder .. sein. Das muss der Sammler selbst entscheiden. Der Rest gehört in die Tauschtüten. Ein ernst zunehmender Sammler wird bemüht sein seiner Sammlung einen Rahmen zu geben. Sonst bestünde die Gefahr, dass er sich in die Reihe der Sammler einordnet, die eben nur mit der Anzahl der Sammelgefäße bzw. der gefüllten Regalmeter beeindrucken möchten, in dem sie auf eine möglichst hohe Anzahl von Proben verweisen. Auch ein Münzen-oder Briefmarkensammler möchte nicht nur nach der Anzahl seiner Objekte bewertet werden.

 

Wie sammeln?

 

Auch dieser Punkt wird mit Sicherheit von jedem Sammler anders bewertet. Aber einige Grundsätze müssen Bestandteil der Sammlung sein. Die Sammelgefäße sollten einheitlich sein und aus durchsichtigem Material bestehen, damit der Inhalt von außen erkennbar ist. Bewährt haben sich kleine Gläser mit standsicherem Boden (Gewürzgläser?). Es ist nicht abwegig, dass eine Sammlung in dekorativen Gefäßen zum Schmuckstück in der Raumgestaltung werden kann. Letzteres sollte aber mit Umsicht bedacht werden, da schnell der vorgesehene Platz nicht ausreicht und Improvisationen die Folge wären. Auch Reagenzgläser im passenden Ständer sind geeignet. Unpraktisch ist die Aufbewahrung in Tüten oder gar Briefumschlägen. Mit diesen Behältnissen ist eine ansprechende Präsentation kaum möglich. Für eine Dokumentation bzw. Katalogisierung sind die digitalen Möglichkeiten sehr geeignet. Das erwähnte digitale Okular (verschiedene Modelle werden von mehreren Herstellern im Internet angeboten) bietet den direkten Weg, um einen digitalen Bildkatalog zu schaffen. An dieser Stelle sei an die Datensicherung per CD bzw. DVD erinnert. Diese Form des Sammelns hat mehrere Vorzüge. Da die Basis für diese Sammlung das Mikroskop ist, wird auch Probenmenge gering sein können. Diese wiederum kann durchaus etwas im Hintergrund deponiert werden, da ja das entstandene Abbild vorhanden ist. Und dieses Bild ist jederzeit aussagekräftiger (da stark vergrößert), als das Original. Es ist sicher auch nicht entscheidend wie groß die Probenmenge ist, denn 100 Gramm sind kaum repräsentativer als 10 Gramm, wenn es sich um die Probe einer Wüste oder eines 20 km langen Sandstrandes handelt.

 

Schlussbemerkung

 

Sandsammeln ist eine recht junge, oder besser noch wenig verbreitete, Freizeitbeschäftigung. Das war bisher auch ein Grund, dass es bisher nur wenige Veröffentlichungen zum Thema gibt. Deutliche Zuwachsraten in der Fangemeinschaft sind jedoch unübersehbar. Derzeit kann nur empfohlen werden im Internet mit der Hilfe großer Suchmaschinen und den entsprechenden Schlüsselvokabeln (Sand, Sandsammler, Sandsammlung) nach Gleichgesinnten zu suchen. Man findet diese auf teilweise sehr schön gestalteten Seiten oder in Foren. Hinter fast jedem Kontaktgesuch steht auch eine Tauschliste. In Sandsammlerkreisen ist die beherrschende Formel 1:1. Hinter diesen Kürzel verbirgt sich der übliche Volumentausch in der Größenordnung einer Kleinbildfilmdose. Das schafft Kontakte und vergrößert die eigene Sammlung. Sollte man also irgendwo einer interessanten Fundstelle nahe kommen, so ist es ratsam ein etwas größeres Tütchen zu füllen. Und schon könnte man wenigstens akzeptierter Tauschpartner sein.

 

Zusammenfassend kann uns die Beschäftigung mit dem Sand durchaus die Vielgestaltigkeit und -farbigkeit der Oberfläche unseres Planeten näher bringen und deutlicher erkennbar werden lassen was es zu bewahren und zu schützen gilt.