Samensammlung

 

Aus der Sicht botanisch interessierter Naturfreunde ist das Samenkorn der Anfang und das Ende eines natürlichen Kreislaufes. Der Verknüpfungspunkt kennzeichnet den Beginn und das Ende einer Vegetationsperiode. Zur territorialen Ausbreitung des Siedlungsraumes erhalten die Pflanzen oft Hilfe. Der Wind kann die Samen weitertragen (Löwenzahn) oder die Samenkapseln haften am Fell vorbeiziehender Tiere (Klette) und werden durch diese in andere Regionen getragen. Etliche Sämereien (Beeren) dienen Vögeln als Futter. Während die Vögel das Fruchtfleisch genießen bleibt der eigentliche Samen wegen seiner unverdaulich widerstandsfähigen Umhüllung komplett und wird mit dem Kot an anderer Stelle wieder abgesetzt. Schwimmfähige Samen werden in Fließgewässern verdriftet bis sie an neuen Ufern einen Halt finden. Diese Beispiele könnten sicher noch ergänzt werden, nur das würde an dieser Stelle den Rahmen überschreiten. Als ein entscheidender Zusatzfaktor bei der Verbreitung von Pflanzen durch Samen ist der Mensch anzusehen. Und es ist gleichgültig ob er nun Gärtner, Landwirt, Händler oder Naturfreund mit Balkongarten ist. Häufig werden über diesen Weg sogar Pflanzen kultiviert und verbreitet, die eigentlich nicht zur heimischen Flora gehören.

Samensammlungen gibt es in zweifacher Sicht. Einmal sind es die Sammlungen möglichst vieler Arten als „Eiserne Reserve“ oder „genetische Goldbanken“, die in gesicherten Räumen in der Nähe des Polarkreises im ewigen Frostboden abgelegt sind und für immer die Chance bieten z.B. nach Naturkatastrophen betroffene Regionen neu mit vielleicht ehemals endemischen Arten zu besiedeln.

Die weitaus größere Anzahl von allerdings kleineren spezialisierten Samensammlungen entsteht für Ausbildungszwecke und häufiger als Begleitsammlung eines Herbariums. Diese Sammlungen dienen als Belegstücke vornehmlich zur Anschauung. Und dieses unabhängig davon, ob sie von einem Azubi, Studenten oder einem Wissenschaftler für ein Museum erstellt wurden. Letztgenannte Sammlungen werden im Gleichlauf mit der technischen Entwicklung heute bereits häufiger als digitalisierte Sammlungen angelegt. Einziger wichtiger Nachteil dieser Sammlungen wäre es, dass kein genetisches Material isoliert werden kann. Dieser Einschränkung stehen jedoch etliche Vorteile gegenüber. Nachfolgend ein paar besondere Merkmale:

 

  • kein Brüchigwerden oder weiteres Schrumpfen durch Austrocknung

  • kein Farbverlust, kein Schädlingsbefall

  • genauere Betrachtung ist durch vergrößerte Abb. möglich

  • einfache Präsentation, Verbreitung und Archvierung

 

Eines ist jedoch allen Samenkörnchen eigen. Sie sind perfekte Speicher für alle Anlagen die von der künftigen Pflanze benötigt werden, um den Fortbestand der Art zu sichern. Samenkörner sind fast immer mit einer Schutzschicht umhüllt, die sie vor den Einflüssen ungünstiger Umweltbedingungen schützen. Viele Samenkörner benötigen sogar eine längere Pause und evtl. eine Zeitspanne mit Temperaturen um den Gefrierpunkt bevor eine Keimung möglich ist. Im Samenkorn existiert latentes Leben, welches nur auf die Kombination von günstigen Voraussetzungen wartet, um erweckt zu werden. Zu diesen Voraussetzungen gehören vornehmlich Wärme, Feuchtigkeit, Haltesubstrat und für das folgende Wachstum Licht und Nährstoffe im Boden.