Das Blattherbarium

 

Das Blattherbarium ist gleich der Samensammlung eine häufig angelegte Begleitsammlung zum eigentlichen Herbarium. Das Anlegen einer derartigen Sammlung hat gegenüber anderen botanischen Sammlungen den Vorteil, dass das Blatt dem Sammler den größten Teil der Vegetationsperiode zur Verfügung steht. Somit ist es dem Sammler möglich seine Tätigkeit zeitlich günstig zu planen. Trotzdem muss betont werden: Was für die Archivierung ganzer Pflanzen zutrifft, hat natürlich auch Gültigkeit für den Sammlungsgegenstand Blatt.

 

  • Das Naturmaterial wird im Verlaufe der Zeit sehr brüchig

  • Die natürlichen Farben verblassen leider und weichen einer Fehlfarbe

  • Eine Lagerung in nicht klimatisierten oder sonstig ungeeigneten Räumen könnte bereits zu Schädlings- bzw. Pilzbefall führen.

 

Hinzu sei erwähnt, dass viele Sammlungsobjekte zu groß sind, um auf einem Herbarblatt (etwa A4) untergebracht zu werden. Neben zu großen Pflanzen sind es oft zu kleine Pflanzenteile, zu deren Begutachtung man optische Hilfsmittel benötigt.

Leider ist ein weiterer Nachteil darin zu sehen, dass diese Pflanzensammlungen naturgemäß fast immer Einzelstücke sind und somit nur einem begrenzten Personenkreis zur auswertenden Nutzung zur Verfügung stehen. Eine mögliche Lösung ist in folgendem Vorschlag zu sehen.

 

Digitalisiertes Herbarium

 

Ohne die Leistungen von Sammlern und Forschern aus vergangenen Jahrhunderten abwerten zu wollen, soll im folgenden auf eine zeitgemäße Möglichkeit der Sammlungnserstellung hingewiesen werden, die erst mit der Entwicklung neuer Verfahren zur Datenspeicherung möglich wurden. Um jeder Einschränkung entgegen zu treten, sei vorab bemerkt, dass sich selbstverständlich von diesen digitalen Herbarexemplaren keine genetischen Materialien isolieren lassen. Das jedoch ist sicher auch nur der Sinn von Sammlungen, die spez. für diesen Zweck angelegt wurden, während die Sammlungen, die für Ausbildungsziele angelegt wurden, fast nur der Anschauung, dem Vergleich und der Unterweisung dienen sollen.

Erhalten bleibt auch das Anliegen der Lehrenden, dass der Auszubildende sich in der Natur mit der schulenden Bestimmungsliteratur beschäftigt, denn das eigene sinnvolle Tun wird nach wie vor verlangt.

 

Das wichtigste Werkzeug – Der Flachbettscanner

 

Es darf heute sicher vorausgesetzt werden, dass Auszubildende und Studierende über einen PC verfügen und mit diesem arbeiten können. Hinzu kommt die Nutzung eines Flachbettscanners, der als preisgünstiges Bürogerät häufig bereits vorhanden ist. Das trifft gleichfalls für eine digitale Kamera zu.

Die nachfolgend beschriebene Arbeitsweise könnte in fast allen Teilbereichen botanischer Sammlungen eingesetzt werden.

Der Flachbettscanner ist im erweiterten Sinne auch als Fotoapparat zu betrachten. Nur hier bewegt sich die Aufnahmeeinheit und das Objekt ist unbeweglich. Vor dem Scannen wird die Aufnahmeauflösung eingestellt. Ist davon auszugehen, dass das Ergebnis im Maßstab 1:1 verwertet werden soll, so ist nur zu berücksichtigen in welcher Form es archiviert werden soll. In der einfachsten Form wird eine Aufnahmeauflösung von 72dpi ausreichend sein, wenn das Arbeitsergebnis für eine spätere Bildschirmbetrachtung ohne geplantes Hineinzoomen gespeichert wird. Ist es aber vorgesehen einen hochwertigen Ausdruck vorzunehmen oder vom Fotodienstleister ein „richtiges“ Papierbild erstellen zu lassen, dann ist eine Aufnahmeauflösung von 300dpi angemessen. Das stimmt nur, wenn, wie erwähnt, die Verwertung 1:1 erfolgen soll. Hat man es z.B. mit kleinen Blättern oder Blüten zu tun, die besser in doppelter Größe zu Geltung kommen würden, so ändert sich der Anspruch an die Aufnahmeauflösung.

 

Für die Ermittlung der erforderlichen Auflösung beim Einscannen ist nachfolgender einfacher Rechenweg sehr hilfreich. Es wird angenommen, dass die Vorlage eine Größe von 5,0 cm x 5,0 cm hat und eine Endgröße von 20,0 cm x 20,0 cm erreicht werden soll. Da das Ergebnis mit 300 dpi verwertet werden soll, lässt sich die erforderliche Einscannauflösung mit dieser Formel ermitteln: Endgröße in cm geteilt durch Ausgangsgröße in cm mal Auflösung in dpi.


10,0 cm : 5,0 cm x 300 dpi entspricht 2x 300 dpi = 600 dpi.
Würde man beabsichtigen das Bild in einer Größe von 20cm x 20cm mit 300dpi zu drucken, so wäre das Ergebnis folglich.


20,0cm : 5,0cm x 300dpi = 1200 dpi erforderliche Scanauflösung.

Als Beispiel für eine ausschließliche Bildschirmverwertung soll eine Ausgangsgröße von 4,0 cm x 4,0 cm und eine Zielgröße von 15,0 cm x 15,0 cm bei einer Auflösung von 72dpi ermittelt werden.

15,0 cm : 4,0 cm x 72dpi = 270dpi.

 

Das erzielte Ergebnis zeigt zwar deutlich, dass die resultierende Datei klein und damit speicherplatzsparend wäre, aber bei dieser geringen Auflösung wäre eine brauchbare 1:1 Nutzung in den Printmedien nicht sinnvoll.


Nun wird erkennbar welche Leistungsreserven in einem Scanner stecken, der mit 4800dpi scannen kann oder können soll. Für Ausdrucke mit dem Tintenstrahldrucker sind 200dpi die untere Grenze und damit wären etwas größere Bilder möglich. Damit kann auch festgestellt werden, dass ohne Probleme mit einem Scanner, der bis zu 4800dpi Aufnahmeauflösung anbietet, auch kleine Objekte wie Samen oder Knospen vergrößert dargestellt werden können. Der Nutzer wird nach einigen Versuchen übrigens über die erzielte Schärfentiefe erstaunt sein, denn diese übertrifft im Makrobereich den üblichen Fotoapparat.

Ob nun beim Scannen einer Vorlage ein Vergleichsmaß mit eingescannt wird oder nicht, das sollte der Fotograf selbst entscheiden. An vielen Sträuchern und Kleinpflanzen sind alte ausgewachsene Blätter neben neuen kleineren zu finden. Man könnte auch über einen größeren Zeitraum sammeln, die Einzelaufnahmen in der Bildverarbeitung montieren, um den Entwicklungsverlauf vom jungen und noch kleinen bis zum alten Blatt zu dokumentieren. Bei zu kleinen Blättern, die einer vergrößerten Darstellung bedürfen oder falls über eine starke Vergrößerung des Ausschnittes aus einem Blattrand die Blattzähnung dargestellt werden soll, wäre das Mitscannen eines Vergleichsmaßes sinnvoll. Da bieten sich viele Möglichkeiten an. Das einfachste wäre eine 1ct-Münze mit einem Durchmesser von 16 mm.

 

Für die Hintergrundfarbe ist es besonders einfach SCHWARZ zu wählen. Es werden dadurch keine Schatten von Blatträndern abgebildet, die ein paar Millimeter aufgewölbt sind. Sind Blätter zu uneben oder widerspenstig, so können sie, für den Scanvorgang unsichtbar, rückseitig z.B. mit Schraubenmuttern o.ä. kleinen Gewichten festgelegt werden.

Für die Herbarblattbeschriftung ist ein weißer „Kasten“ vorzusehen, der als wichtigstes Element die Bezeichnung der Pflanze / Blatt mit ihrem wissenschaftlichen Namen enthält. Weitere Informationen kann der deutsche Pflanzenname und die -familie bringen. Die Benennung des Fundortes ist nicht sonderlich Informativ, da viele Kleinpflanzen auch aus dem gewerblichen Anbau oder einem Balkonblumenkasten kommen können. Als Zusatzinformationen könnten allerdings Hinweise auf Nutzung als Heilpflanze oder Nahrungsmittel mit Blick auf die inhaltlichen Wirkstoffe nützlich sein. Nur auf eine Einordnung als „Giftpflanze“ sollte man verzichten. Eine Pflanze, die sich als gesundheitsschädlich erweisen kann, ist nicht immer eine giftige Pflanze. Man bedenke die Wirkung der Muskatnuss. Einem Kartoffelmus verleiht dieses Gewürz erst den letzten Pfiff, für eine werdende Mutter kann dieses Gewürz schon mit gesundheitlichem Schaden verbunden sein. Grundsätzlich gilt immer: „  die Dosis machts ...“

 

Ein digitales Herbarium sollte zweckmäßig auch als Einzelblattsamlung gestaltet und archviert werden. Eine Ablage in alphabetischer Reihenfolge der wissenschaftlichen Namen ermöglicht dann immer noch das Hinzufügen von Ergänzungsblättern.

Hier ein Beispiel für den Scan eines Blattes einer Wasserpflanze und damit evtl. der Start zur Idee des Wasserpflanzen (Blatt-) herbariums.

Es ist das Blatt einer Amazonas-Schwertpflanze.