Der Flachbettscanner

 

Ältere und erfahrene Leser werden an dieser Stelle lächeln und sich dabei an die eigenen Experimente aus der Zeit der schwarz-weißen Dunkelkammer erinnern. Es waren die Fotogramme, die in zahlreichen Varianten vom Bucheignerzeichen bis zum großformatigen Raumschmuck hergestellt wurden. Die Vorlagenscala reichte vom Gardinenstoff über den kleinen Kofferschlüssel bis zur Fischgräte. Wir fanden es schön (damals) und die Ideenschmiede lief auf Hochtouren, wenn andere Betrachter unsere Werke lobenswert einstuften.

 

Das alles ist jetzt schon Jahrzehnte her und fast vergessen, denn ein neues technisches Zeitalter ist angebrochen. Computer sind heute nicht nur ein unentbehrliches Multiwerkzeug an Arbeits- und Ausbildungsplätzen, sondern für viele Menschen aus allen Altersgruppen selbstverständlicher Bestandteil ihrer häuslichen Umwelt.

 

Einem derartigen Rechenknecht sollte man im Sinne der Überschrift einen Flachbettscanner zuordnen. Seit einiger Zeit sind Flachbettscanner mit einer max. Auflösung von 4800 dpi handelsüblich und vor allem für den Hobbybereich preislich erschwinglich geworden. Sollte also eine Anschaffung geplant sein, so achten Sie bitte beim Kauf auf diese Eigenschaft, denn damit kann der Scanner letztlich erheblich mehr als nur ein Dokument oder ein Bild zu importieren. Häufig befindet sich im Paket nicht nur die Scannersoftware, sondern auch ein Bildbearbeitungsprogramm. Falls noch keines auf Ihrem Rechner installiert ist, freunden Sie sich bitte mit diesem neuen Programm an, denn es wird Bestandteil Ihrer künftigen kreativen Tätigkeit werden. Es ist schon von Vorteil, dass z.B. mit dem Befehl Datei/Importieren der Scanner direkt vom Bildbearbeitungsprogramm aufgerufen werden kann und damit das gescannte Bild auf kürzestem Wege in die Bildbearbeitung liefert. Mit dem Bildbearbeitungsprogramm verfügen Sie über die Möglichkeiten der Größenveränderung und Dateiumwandlung des gescannten Bildes. Zu beachten wäre dabei, dass während der gesamten Bearbeitung das programmeigene Dateiformat (bei Photoshop Elements z.B. PSD) Verwendung finden sollte. Ist man zum Beispiel gezwungen die Arbeit zu unterbrechen, so speichert man das Zwischenergebnis in diesem Format ab und kann bei Fortsetzung der Arbeit ohne Umformatierung unter Nutzung der Teilergebnisse weiterarbeiten. Das endgültige Dateiformat erhält nach Abschluss der Arbeit dann eine Kopie des Ergebnisses, während die Originalversion im hauseigenen Format gesichert wird. Von den mit der Bildbearbeitung angebotenen Möglichkeiten werden im Wesentlichen nur das nachträgliche Schärfen, die Regelung von Kontrast und Helligkeit sowie evtl. das Textwerkzeug zum Einfügen von Text genutzt werden. Mit den vielen weiteren Möglichkeiten, die ein Bildverarbeitungsprogramm anbietet, sollte weniger Gebrauch gemacht werden, denn häufig kommen nur Verschlimmbesserungen heraus. Und gerade dieses sollte beim Dokumentieren von z.B. Kleinen Sammlungsgegenständen nicht passieren, denn es lauert die Gefahr der Verfälschung. Probieren Sie, denn Appetit kommt beim Essen.

 

Vor Beginn der schöpferischen Tätigkeit benötigt man ein paar Angaben und Vorstellungen vom Ziel der Bemühungen.

 

  • Größe der Vorlage in einer einheitlichen Maßeinheit (z.B. Zentimeter). Als Beispiel für folgende Rechnung 10 cm X 10 cm Fläche für ein paar Kiesel oder z.B.Briefmarken.

  • Verwendungszweck der Bilder. Benötigt man es nur zur Betrachtung am Bildschirm, dann reicht eine Endauflösung von 72 dpi (75 rechnet sich besser). Ist ein Ausdruck per Tintenstrahldrucker vorgesehen, so sollte das Ergebnis eine Auflösung (vielleicht sagt man besser auch Pixeldichte) von 200 dpi haben. Eine Auflösung von 300 dpi wäre für das bearbeitete Bild erforderlich, wenn man beim Fotodienstleister einen „richtigen“ Papierabzug bestellen möchte oder eine Veröffentlichung in den Printmedien angedacht ist. Vorschlag für die Beispielrechnung 300 dpi.

  • Letztlich muss noch festgelegt werden in welcher Größe das Endergebnis vorliegen soll. Vorschlag für die Beispielrechnung 40 cm x 40 cm.

 

Die ermittelten oder festgelegten Werte werden nun in eine Formel eingetragen.

 

Endgröße in cm geteilt durch Ausgangsgröße in cm mal gewünschte

Endauflösung in dpi.

 

40,0 cm : 10,0 cm x 300 dpi = 4 x 300 dpi = 1200 dpi.

 

Daraus ist erkennbar, dass die Vorlage in der Größe von 10 cm x 10 cm mit 1200 dpi gescannt werden muss, um für die gewünschte Endgröße von 40 cm x 40 cm eine Datei mit der Auflösung von 300 dpi zu erzielen. Mit einer Veränderung der Maße oder Werte kann schnell ermittelt werden, ob etwas realisierbar ist oder nicht.

 

Das vorliegende Rechenbeispiel zeigt jedoch auch, dass ein Scanner mit einem Auflösungsvermögen von 4800 dpi noch ausreichend Reserven hat, um von dieser Vorlage auch ein größeres Bild anfertigen zu können. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass jede unnötige höhere Auflösung die Datei des Scans vergrößert und es werden schnell Größen von 100 MB und mehr (!) erreicht, die letztlich auch „bewegt“ werden wollen. Ein ausreichender Arbeitsspeicher sollte dazu min. 512 MB haben. schnappschussverwöhnten Fotografen erscheint diese Verfahrensweise möglicherweise etwas ungewöhnlich und zeitraubend, denn so manches Mal ist durchaus mit Wartezeiten von mehreren Minuten zu rechnen.

 

Eine vorhandene Schnittstelle ermöglicht es, dass das Scanprogramm im Hintergrund bleibt und der Scanner und damit sein Arbeitsergebnis direkt vom Bildbearbeitungsprogramm aufgerufen werden kann. Wenn die gescannte Vorlage nun direkt vom Bildbearbeitungsprogramm importiert wurde, so erscheint das Ergebnis unserer Bemühungen als sog. Rohscan ohne Umwege auf dem Bildschirm und kann bearbeitet werden. Von den einfacheren Möglichkeiten der Bildverbesserung in der Form von Nachschärfen, Kontrasterhöhung oder Regelung der Helligkeit bis zur kreativen Bildbearbeitung eröffnet sich hier ein endloses Betätigungsfeld. Während des gesamten Bearbeitungsvorganges ist es nicht ratsam das Dateiformat zu wechseln. Muss die Bearbeitung unterbrochen und kann vielleicht erst am Folgetag fortgesetzt werden, so ist es problemlos möglich die angefangene und verlustfrei zwischengespeicherte (in dem programminternen Dateiformat z.B. PSD bei Photoshop Elements), Arbeit erneut aufzurufen. Erst wenn alles zur Zufriedenheit abgeschlossen ist, kann man in das endgültige oder geforderte Dateiformat (z.B. Tiff, JPEG) wechseln. Die Datei des fertigen Bildes wird nun im vorgesehenen Ordner abgespeichert oder auf einen Datenträger gebrannt oder einem USB-Stick gesichert und beim Fotodienstleister das Erstellen von „Abzügen“ in Auftrag geben.

 

Zum Schluss noch ein paar Bemerkungen zu den Einschränkungen oder auch Grenzen dieser Technik. Die untere „brauchbare“ Größe für Einzelheiten der Vorlage liegt je nach Anspruch bei ca. 1,5 mm. Und dazu kommt, dass die Vorlagen unbeweglich sein müssen. Also sind echte Makros aus der Natur kaum möglich. Dieses wäre ohnehin kaum machbar, da diese Geräte fast immer stationär betrieben werden.

Demgegenüber ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil zu betonen. Der Scanner hat zwar keine Tiefenschärfe im fotografischen Sinne, weil er einfach alles scharf abbildet, was er sieht. Das ist zwar auch nicht viel, jedoch häufig mehr als bei der herkömmlichen Fotografie.

 

Für die Sammler der kleinen Dinge, wie Kleinmineralien, Briefmarken, Banknoten, Autographen, Orden, Siegel und, und … , kann der Scanner ein wichtiger Helfer sein, denn nicht jeder Freund der kleinen Dinge hat für die perfekte Makrofotoausrüstung auch die erforderliche und wohlgefüllte Hobbykasse zur Verfügung.

 

 

Auf den Folgeseiten werden verschiedene Beispiele für die Nutzung im vorgenannten Sinne vorgestellt.